Bewegen und Berühren

Ein Projekt, zu dem mich zwei kleine aber kraftvolle Wesen motiviert haben.

Anlass | Motiv | Form

Anlass

Zwei Ereignisse im Frühjahr 2020, die mich mich aus der Bahn meines bisherigen Alltags gelenkt haben, forderten mich, einen Weg in einen neuen Alltag zu suchen:

  • Sars-CoV-2, diese winzige, abstrakteste Form von Leben, zwang die Menschheit in Isolation.
  • Fritz vom Winterhorn, unser drahthaariger Kerl, der zwölf Jahre meine Aufmerksamkeit und Fürsorge seiner Haltung und Pflege unterworfen hat, ist von uns gegangen.

Ersteres nahm uns allen die Möglichkeit des körperlichen Kontakts ausserhalb der Hausgemeinschaft.

Letzteres nahm mir den Anlass, täglich in die Welt hinaus zu treten, um mich in der bedingungslosen Liebe für ein anderes Wesen zu üben. Beides ist ein Verlust, der es mir erschwert, mit der Welt auf bisherigem Weg in Beziehung zu bleiben.

Helene Haker mit Fritz vom Winterhorn

Motiv

Ich vermisse

  • physische Berührung
    • zur Kontaktaufnahme
    • zum Austausch von Wärme
    • als Zeichen der Zuneigung
  • physische Bewegung
    • in meiner Umgebung
    • ohne Grund
    • bei Wind und Wetter
    • bei Wohlbefinden wie Unwohlsein
    • um die täglichen, wöchentlichen, monatlichen und alljährlichen Veränderungen der Umgebung mitzubekommen
    • um meinen alltäglichen physischen Horizont nicht auf den Radius bis zu meinem Schreibtisch schrumpfen zu lassen

In einem Essay zum Thema Tierliebe von Daniele Muscionio hat mich vor einer Weile folgender Schlusssatz angesprochen: „Tierliebe ist ein ehrenhafter menschlicher Zug. Doch der wahrhaft Unverdrossene lässt sich auch auf Artgenossen ein“ (NZZ, 19.08.2020). Also: Ich nehme die Herausforderung an und lasse mich auf meine Artgenossen ein.

Deshalb will ich

  • in Bewegung bleiben, indem ich
    • meine Tür öffne
    • in die Welt trete
    • etwas von mir in die Welt hinaus trage
  • Wärme durch Berührung schenken, indem ich
    • mein Herz öffne
    • und andere Menschen anspreche

bewegen und berühren mit Worten.

Form

Streicheleinheiten mit meiner Feder.

Ich verschicke …

  • eine von Hand gestaltete Sendung
  • aus von Herzen geschriebenen Worten
  • möglichst täglich
  • mit einem Signet, welches die Sendung als Teil eines wachsenden Ganzen kennzeichnet
  • über einen zu Fuss erreichbaren Briefkasten
  • an einen Menschen, der mich innerlich bewegt oder berührt hat

Ich wünsche mir, dadurch in einem natürlichen Rhythmus in Denken, Fühlen und Handeln mit meiner Umgebung im Kontakt zu sein.

Helene Haker mit Fritz vom Winterhorn

Zürich, im Frühjahr 2020

In Memoriam Fritz vom Winterhorn

Zur Erinnerung an eine grosse Persönlichkeit, berührend bewegt ganz ohne Worte:
Fritz auf Youtube

nach oben